Im Rahmen meiner psychotherapeutischen und klinischen Arbeit ist mir Unsicherheit oft begegnet. Auch aus meinem eigenen Leben kenne ich dieses Gefühl sehr gut und weiß um dessen mögliche Auswirkungen. Entscheidungsschwierigkeiten, Ängste, Zweifel. Wie entscheiden, wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen wird? Vor allem dann, wenn wir uns auf ein herzzentriertes Wirken, ein Herzensbusiness einlassen, werden Unsicherheiten immer wieder auftauchen. Denn – der Weg des Herzens ist nicht planbar!   

 

 

Unser gewohntes Paradigma – Kontrolle, Orientierung und Sicherheit

Schau Dir Dein bisheriges Leben und die Umgebung an, in der Du Dich befindest. Die meisten unserer Bemühungen – systemisch und individuell sind darauf ausgelegt, Unsicherheit zu reduzieren. Klaus Grawe – der Begründer allgemeinen Psychotherapie – fand heraus, dass das Bedürfnis nach Kontrolle und Orientierung eines unserer vier Grundbedürfnisse ist. Innerhalb eines für uns überschaubaren und vorhersehbaren Rahmens erleben wir Sicherheit und gedeihen in Ruhe vor uns hin. Wir wachsen, wenn es konstante, bedrohungsfreie Bedingungen gibt. Es gibt zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass zur störungsfreien Entwicklung und Gesundheit eine Konsistenz gegeben sein muss (Konsistenztheorie nach Grawe).

Grawe bezieht sich in seiner Theorie auf eine evolutionäre Anlage in uns, die eben diese Bedürfnisse befriedigt wissen will. Es ist also natürlich, wenn wir uns Sicherheit wünschen.  

Als Individuen und Kollektiv haben wir dem Wert Sicherheit in den letzten Jahrzehnten immer mehr Bedeutung beigemessen. Eine Folge davon ist, dass wir als Individuen unbewusst eine innere Re-Definition des Begriffs vorgenommen haben. Was bedeutet Sicherheit für uns? In einigen Regionen unserer Welt fühlen die Menschen sich sicher, wenn die Nahrungsversorgung für die nächste Woche gewährleistet ist. In unseren Breitengraden beinhaltet Sicherheitsempfinden vielleicht die Unversehrtheit des Heims, der Familie, aber auch der Besitztümer, des Jobs usw. 
In unserer Gesellschaft sind viele Entscheidungen darauf ausgelegt, das Leben abzusichern: Versicherungen, doppelte Opt-in-Prozesse, Datenschutz, Hamsterkäufe, Ehe- und Bausparverträge. Um nur einige wenige Repräsentanten zu erwähnen.
Und – das ist ok! 

 

Konfrontation mit Angst/Unsicherheit bei psychischen Störungen

Ufert unser Sicherheitsbedürfnis zu sehr aus, kann das zu massiven Einschränkungen und psychischen Störungen führen (Ungewissheitsintoleranz und die psychischen Folgen).
Wird der Ehemann/die Ehefrau einen Unfall bauen (generalisierte Angststörung)?
Wird etwas Schlimmes passieren, wenn ich jetzt nicht drei Mal auf einen Tisch klopfe (Zwang)?
Werde ich vor Angst sterben, wenn nachts ein Insekt in meinem Zimmer ist (Phobie)? 
Nicht ohne Grund zielen einige psychotherapeutische Interventionen darauf ab, eine Gewöhnung an Unsicherheit zu erreichen. Beispielsweise bei der Sorgenexposition einer generalisierten Angststörung. Bei Zwängen oder auch einer Phobie geht es auch das bewusste Sich-Aussetzen. Ziel ist eine physiologische Anpassung (Habituation) an Unsicherheiten, Ängste und Sorgen. Dadurch werden korrigierende Erfahrungen gemacht. Durch dieses Training wird der Bereich, der zuvor unsicher war zu sicherem Terrain. Die Definition von Sicherheit und Unsicherheit verschiebt sich. Langfristig werden hierdurch Flexibilität und Selbstwirksamkeit erhöht und das Selbstbild modifiziert.  

Sicherheitsempfinden als Ergebnis individueller Bewertung

Kann es sein, dass Sicherheitsempfinden etwas ist, das mehr auf dem Ergebnis eines individuellen Bewertungsprozesses beruht? Kann es vielleicht sein, dass reale Sicherheit nur als solche empfunden wird, weil wir zu dem Schluss kommen, dass ein bestimmter Umstand sicher ist? Ziehen wir für einen Moment in Erwägung, dass wir alle für uns selbst Sicherheit definieren und durch unsere Bewertung entstehen lassen können. Dann würde das auch bedeuten, dass wir unser Konzept von Sicherheit „droppen“ und modifizieren können.
Ein Mensch mit einer generalisierten Angststörung kann seine Definition, das Konzept von Unsicherheit und Sicherheit verändern, seine Bewertung korrigieren. Es ist nicht festgeschrieben! 

 

Master Key im Herzensbusiness: Die liebevolle Umarmung von Unsicherheit

Wenn wir unseren Herzensweg zu gehen beginnen, dem Ruf unseres Seelenfeuers zuzuhören beginnen, dann laden wir Unsicherheit in unser Leben ein. Unser Bedürfnis nach Sicherheit wird konfrontiert. Unser Seelenfeuer lässt sich selten in eine Box packen. Wir wissen oft nicht, wo es unser Herz als nächstes hinzieht. Wissen nicht genau, welcher Schritt sich dadurch für unser Herzensbusiness ergeben wird. Können nicht sagen, ob eine bestimmte Entscheidung richtig ist (was auch immer das bedeutet). Die Feuerprobe unserer Seele führt uns oft mitten in die Unsicherheit. Der bewusste freie Fall.

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist natürlich und völlig in Ordnung! Doch daneben gilt es auch, die liebevolle Umarmung der Unsicherheit zu trainieren! Es geht nicht darum, vollkommen kopflos und leichtsinnig zu sein. Unsicherheit zu umarmen bedeutet, nicht immer alles wissen und planen zu müssen. Momente, Zustände zu trainieren, vor denen Du vielleicht seither aufgrund Deines Sicherheitsbedürfnisses davongelaufen bist. Aus Angst vor Unsicherheit.
Wenn Du Dich zu diesem Tanz auffordern lässt, dann wird Deine Unsicherheit einige Pirouetten mit Dir drehen. Und ja, vielleicht wird Dir manchmal ein bisschen schwindelig.  Doch dieser Tanz wird Dich auch an Plätze, in Situationen und zu Menschen führen, die Dein Leben bereichern werden. 

Der Ruf Deines Seelenfeuers wird von der Frage der Unsicherheit begleitet. Ein Herzensheld lauscht. Vertrauen in Mut. Vertrauen in den freien Fall – was auch immer das für Dich bedeutet. Der Herzensheld trainiert diesen Tanz zwischen Sicherheit und Unsicherheit. Mit Herz und Verstand. 

Der Herzensheld weiß, dass im Tanz mit der Unsicherheit das Seelenfeuer so heiß und lebendig lodern wird, wie nie zuvor. Mit dieser Energie tanzt er in ein neues Paradigma – wo Sicherheit aus dem Tanz mit Unsicherheit erwächst!
Der Herzensheld weiß, dass in liebevoller Umarmung der Unsicherheit die zarte Blume des Vertrauens aufblühen wird.
Und er tanzt und tanzt und tanzt

Tanze!

Alles Liebe, Kristina

 

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